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HISTORIA SANCTI EMMERAMMI. Schola Hungarica 1996

HISTORIA SANCTI EMMERAMMI. Das Regensburger Emmeramsofficium. Arnold von Vohburg. Schola Hungarica - Janka Szendrei . László Dobszay. Calig 50 983, LC 1149. 66'25, 1 CD, 1996.

Die Kirche St. Emmeram in Regensburg war einst die Abteikirche eines berühmten Benediktinerklosters. In spätrömischer Zeit befand sich dort die Friedhofskirche St. Georg, die später umbenannt wurde nach dem Missionsbischof Emmeram, der dort Anfang des 8. Jahrhunderts beigesetzt wurde.

Bischof Emmeram stammte aus Poitiers und hat drei Jahre in Regensburg missioniert. Danach ereignete sich am Herzogshof folgendes: Die Tochter des Herzogs, Ota, wurde schwanger von einem Gefolgsmann ihres Vaters, und Emmeram nahm die Schuld für das Vergehen auf sich. Er machte sich nach Rom auf, wurde aber von dem Bruder Otas durch Verstümmelung der Gliedmaßen und des Gesichts ermordet. Nach 40 Tagen wurde sein Leichnam in die Friedhofskirche St. Georg in Regensburg gebracht, wo er künftig als Heiliger und Martyrer verehrt wurde. Diese Ereignisse werden etwa auf das Jahr 715 datiert (Katalog der Rupertausstellung Salzburg 1996, S. 65). Die älteste Vita Emmerams stammt von dem Freisinger Bischof Arbeo (+ 783). In den zwanziger Jahren des 11. Jahrhunderts wollte nun ein junger Benediktiner aus Regensburg, Arnold von Vohburg, eine neue Vita schreiben, was bei seinen Mitbrüdern auf so großen Unmut stieß, daß er nach Sachsen verbannt wurde. In Magdeburg bat er Meginhard von Magdeburg, eine neue Vita des Heiligen zu schreiben, die erst beendet war, als Arnold schon wieder in seinem Heimatkloster war. Als er in unbekanntem Auftrag des Regensburger Abtes einige Wochen in Esztergom ist, nutzt er die Gelegenheit und komponiert ein neues Emmeram-Offizium. Dieses wird am 22. September 1031 im Dom von Esztergom "uraufgeführt" und war so erfolgreich, daß es später auch in Regensburg gesungen wurde. (Booklet S. 4 f.)

Das von Arnold von Vohburg neugeschaffene Offizium, das von der 1. Vesper am Vortage bis zur 2. Vesper am Abend des Festes selbst reicht, ist eigentlich eine Meditation zum Leben des Hl. Emmeram, das in den Texten dargestellt wird. Die Einspielung der Schola Hungarica enthält Teile der ersten Vesper, aus der Matutin vor allem Invitatorium, Antiphonen und die acht Lesungen mit jeweils folgendem Responsorium, und Gesänge aus den Laudes und der zweiten Vesper.

Die seit 1970 bestehende Schola Hungarica setzt sich aus Damen und Herren zusammen, was auch durch den Wechsel der ausführenden Gruppen zu unterschiedlichem Klangeindruck führt. Lesungen werden der Liturgie entsprechend vom Solisten ausgeführt.

Am Anfang des 11. Jahrhunderts sind nicht Psalmtöne und Lektionstöne von Arnhold neu komponiert worden, sondern vor allem Antiphonen, Responsorien und Hymnen. Sie wirken teilweise merkwürdig unlebendig. Aber das liegt wohl nicht in erster Linie an dem späten Entstehen der Kompositionen, die durchaus den Melodiecharakter des Gregorianischen Chorals haben. Die Schola Hungarica singt die Melodien bewegt mit unterschiedlichen Notenwerten, aber auch die kurzen sind mehr oder weniger gleich lang bzw. kurz. Auch wenn diese späten Gesänge ohne adiastematische Neumen aufgezeichnet sind, vermißt man ein wenig die Zielgerichtetheit vieler Neumen, die einem aus dem authentischen Gregoranischen Choral vertraut ist. Andere Einspielungen spätgregorianischer Gesänge bewahren den spezifischen Charakter bestimmter Tonbewegungen, die durch die Forschungen der Semiologie wieder zu Tage getreten sind, z.B. daß Pes und Torculus zur 2. Note hin gesungen werden, der Salicus zur dritten. Der wenn auch spät, so doch gregorianische Charakter der Melodieabschnitte in ihren kleinen Teilen läßt vermuten, daß solche Bewegungen vom Komponisten vielleicht nicht mitgedacht, aber doch unbewußt durch die Tonfolge einbezogen sind. Eine Einspielung oder Aufführung unter Beachtung gregorianischer Singweise, wie sie durch die Forschungen der Semiologie zutage gefördert wurden, wäre sicher höchst interessant und aufschlußreich.

Das Booklet von 28 Seiten enthält eine allgemeine Einführung in deutscher und englischer Sprache, außerdem alle lateinischen Texte mit deutscher und englischer Übersetzung.

Heinrich Rumphorst

 
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