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PSALLITE DEO NOSTRO. Gregorianische Gesänge zum Kirchenjahr.
Schola ehemaliger Regensburger Domspatzen.



PSALLITE DEO NOSTRO. Gregorianische Gesänge zum Kirchenjahr. Choralschola ehemaliger Regensburger Domspatzen. Leitung Josef Kohlhäufl. MELISMA-Musikproduktion Wiesbaden/ConBrioDisc Regensburg.
Bestell-Nr. 7126-2. LC 8576. 1 CD 1996, 65'59.


Quinque prudentes virgines acceperunt oleum in vasis suis cum lampadibus. Klug waren sie wirklich, die fünf jungen Mädchen, da sie zusätzlich zu ihren Lampen Öl in Gefäßen mitnahmen. Ein Sich-Bedenken spürt man in der Gestaltung des Anfangs dieser Communio auf dieser CD. Dann aber wird es dramatisch, als der Ruf erschallt, daß der Bräutigam komme. Mit einer eindrucksvollen dynamischen Gestaltung wird dieser Gesang in die Ohren und Herzen gesungen, und man kann nachvollziehen, wie der gläubige Hörer unter der mehrmaligen Wiederholung dieses Gesanges zum Altar schreitet, um die Hl. Kommunion zu empfangen, und sich dabei diese Worte von der Schola ins Herz singen läßt.

Überhaupt sind die Communio-Gesänge dieser CD von besonderer Eindringlichkeit der musikalischen Gestaltung des Wortes, dem nach-gedacht und nach-gehört wird. Hier überzeugt die "Programmgestaltung" der CD am meisten, in der die Gesänge nach ihrer liturgischen Funktion aufeinanderfolgen, also zuerst die Introitus, dann die Gradualia, Allelujaverse usw., jeweils dem Gang des Kirchenjahres entsprechend.

Die Aufeinanderfolge der Allelujaverse Redemptionem, Ostende, Excita, in ihrem 2., 8., bzw. 4. Modus hat einen besonderen Effekt: Man spürt und hört unmittelbar die individuelle Unterschiedlichkeit dieser drei Modi in ihrer gestaltenden Kraft. Bei den Introitus, die wie die übrigen Gesänge, dem Verlauf des Kirchenjahres folgen, wirkt das nicht so, trotz der Unterschiedlichkeit der Festereignisse und Gesänge, nämlich 1. Adventssonntag, 1. Weihnachtsmesse, Gründonnerstag, Christi Himmelfahrt, aus dem Jahreskreis Laetetur cor, und dann Kirchweihfest. Vielleicht ist hier bei aller Unterschiedlichkeit der Charakter der Ein- und Hinführung in den jeweiligen Festgottesdienst das Prägende und gleichzeitig das Genus "Introitus" miteinander Verbindende.

Die "Choralschola ehemaliger Regensburger Domspatzen" wurde 1976 von Josef Kohlhäufl gegründet, der sie auch heute noch leitet, und man hört, daß die Gesänge der Gruppe vertraut sind, nicht kurzfristig technisch angelernt, und so hört man wirklich gottesdienstliche Musik in einem weichen, vollen homogenen Klang, manchmal allerdings etwas zu hallig. An einigen Stellen spürte man noch die Auseinandersetzung mit der Semiologie bei der Umsetzung in die Interpretation, und stellt fest, daß sie bei der Sequenz Victimae paschali laudes noch nicht gelungen ist; da hat nämlich der Versakzent noch die Vorherrschaft vor dem Text und seinem Inhalt. Aber wer kennt das nicht, der selbst einmal die äqualistische Singweise eingebläut bekommen hat und dann umgelernt hat! Auch die tiefste Überzeugung merzt noch nicht jeden Äqualismus aus. Das ist z.B. auch manchmal noch bei den solistischen Introituspsalmversen zu hören, wirkt dabei nicht einmal unsympathisch, weil man hier noch einen Verharrenszwang der alten Gewohnheit spürt, gegen die gekämpft wird.

Die hohe Klangqualität des Gesanges läßt einen gelegentlich stutzen: War da nicht ein Nebengeräusch oder nur eine 98prozentige Einstimmigkeit? Aber das mindert den Wert und die Eindrücklichkeit dieser Aufnahme nicht, bewahrt den (sehr aufmerksamen) Hörer eher davor, sich zu verlieren in die Wellenbewegung der Aufeinanderfolge der gregorianischen Gesänge, die aufgrund ihrer Programmfolge mehrmals das Kirchenjahr durchmessen und schließlich in die mit Psalmversen verbundene ambrosianische Antiphon münden, die der CD den Titel gegeben hat: Psallite Deo nostro.

Selbstverständlich weisen die Melodien zum größten Teil die notwendigen melodischen Korrekturen auf, erstaunlicherweise kaum bei der Introituspsalmodie. Das kleine Booklet (16 Seiten) enthält eine kurze Einführung und die Texte der Gesänge in lateinischer Sprache und deutscher Übersetzung, die nicht überall der Einheitsübersetzung folgt.

Heinrich Rumphorst

 
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