Grazer Choralschola

Gegründet wurde die Grazer Choralschola 1992 als ein Spezialensemble für die Interpretation des gregorianischen Chorals nach seinen ältesten Aufzeichnungen im 10. Jahrhundert, welche auch den Interpretationsansatz bestimmen. Die Mitglieder der Schola - es singen im Regelfall sieben Damen und sieben Herren - sind Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sowie Musikwissenschafter und Theologen, die im Laufe ihrer Studien den gregorianischen Choral kennen und schätzen gelernt haben und ihn aus der Erfahrung seiner geistigen und spirituellen Kraft sowie seiner ästhetischen Schönheit heraus in Liturgie und geistlichem Konzert pflegen und vermitteln.
Die Schola singt nach den Erkenntnissen der gregorianischen Semiologie, jenes Forschungszweiges der Choralwissenschaft, der die ältesten Notationen auf ihre aufführungspraktischen Angaben hin untersucht. Gemäß den im Mittalter am weitesten verbreiteten Usancen singt die Schola in gemischter Besetzung mit Ober- und Unterstimmen, dies entspricht nach den mittelalterlichen Lebensregeln der Klöster der historischen Situation eher als eine Ausführung nur mit Männerstimmen allein. Dazu kommt eine Aufführungspraxis, die die ursprüngliche Differenzierung der Gesänge in Bezug auf eine Vielfalt der ausführenden Rollenträger wiederherstellt.

Zu einer historisch orientierten Choralpflege gehört auch das archaische Organum, das schon im 9. Jahrhundert als Ausführungsweise von Gregorianik beschrieben ist. Die von der Grazer Choralschola dargebotenen Versionen der einzelnen Gesänge sind prinzipiell anhand von Quellen des 10/11. Jahrhunderts bzw. auch späterer Quellen rekonstruiert und entsprechen daher öfters nicht den modernen praktischen Druckausgaben, sondern wollen die ursprüngliche Schicht dieser Gesangstradition darstellen. Bestandteil der Produktionen der Schola sind auch spätgregorianische Gesänge, für die ein Interpretationsansatz im Geiste der semiologischen Erkenntnisse verfolgt wird. Neben den thematisch zusammengestellten Konzertprogrammen singt die Schola vermehrt auch Offizien, meist in der liturgischen Rekonstruktion österreichischer Diözesan- und Klostertraditionen. Dazu gehören auch Trauermetten und spezielle Gottesdienste wie die Visitatio sepulchri oder die römische Ostervesper.

Die Schola beteiligt sich regelmäßig bei Produktionen großer Kirchenmusikwerke, die mit gregorianischen Gesängen verbunden sind (z.B. Monteverdi-Marienvesper, Mozart-Vespern usw.); dies führte zur Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Jordi Savall u.a. Die Grazer Choralschola hatte Auftritte in etlichen österreichischen Musikzentren (z.B. Wien, Graz, Salzburg, Linz, Innsbruck, St. Pölten, Bregenz, Klagenfurt, Ossiach, Millstatt), eine CD wurde mit dem ORF - Studio Steiermark produziert. Ein großes Projekt war die Einspielung der Introitusgesänge aller Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres für die Ö1-Sendung "Erfüllte Zeit" im Jahre 1996. Das Ergebnis ist auch auf vier CD's greifbar (ORF-CD 058). 1996 Konzertreise nach Israel, 1997 Teilnahme am Internationalen Gregorianikfestival in Watou, Belgien. 1998 Produktion der CD "Splendor Austriae - Österreichische Heilige in Hymnen und Sequenzen" mit dem ORF (ORF-CD 121); Eröffnung der Internationalen Orgelwochen Nürnberg (ION-Musica sacra) mit dem Gesang des kompletten Johannesoffiziums 1998, Teilnahme am Haapsalu-Festival in Estland 1998. CD "Summi regis in laude - Gregorianischer Choral aus Seckau" 1999. Juni 1999 Konzertreise in die USA. Jänner 2000 Teilnahme am Gregorianikfestival in Genua/Arenzano. Konzerte 2000 in Österreich (Graz: Styriarte mit Nikolaus Harnoncourt) und Italien. 2001 Konzertreise in die Slowakei, 2002 Teilnahme am Internationalen Gregorianikfestival in Vác (Ungarn), Produktion einer CD zusammen mit Armonico Tributo Austria. 2003 wiederum Teilnahme am Internationalen Gregorianikfestival in Watou, Belgien, mehrere Konzerte im Rahmen von Graz-Kulturhauptstadt 2003 (Psalm 2003 usw.) und Konzertreise nach Friaul. Seit 2000 regelmäßige Auftritte im Festival styriarte. 2004 Einladung nach Genua und Arenzano (Kulturhauptstadt 2004), Konzerte in der Slowakei (Bratislava, Zilina, Namestovo), Kroatien, Slowenien, Tschechien und in Österreich (Psalm 2004, styriarte usw.).



Mitglieder: Barbara Boisits, Krisztina Gábor, Jelena Jengic, Sabine Monschein, Renate Nika, Sr. Vera Rónai, Sanja Spahija, Elfriede Stickler, Sabine Traxler; Karl Dorneger, Peter Ebenbauer, Gernot Kacetl, Erwin Löschberger, Josef Pfeifer; Matej Podstenšek, Johannes Salvenmoser, Helmut Traxler. Cantores: Ondrej Mucka, Alois Wendlinger
Leitung: Franz Karl Praßl

Der Gründer und künstlerische Leiter der Grazer Choralschola, Franz Karl Praßl, studierte Theologie und Musik in Graz. Ergänzende Studien in gregorianischer Semiologie führten ihn mit bedeutenden Forschern wie Godehard Joppich, Luigi Agustoni und Johannes Berchmans Göschl zusammen. 1982 - 1992 war er Domorganist in Klagenfurt, seit 1989 ist er ordentlicher Professor für Gregorianik und kirchenmusikalische Werkkunde an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.

Discographie

Kontakt:
Univ. Prof. Dr. Franz Karl Praßl
Kunstuniversität Graz, Institut für Kirchenmusik
Leonhardstraße 15
A-8010 Graz
Tel: +43-316-389-3487
Fax: +43-316-389-3061
eMail: franz.prassl[at]kug.ac.at