Internationale Gesellschaft
für Studien des Gregorianischen Chorals

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Resurrexi

Ostern im Gregorianischen Choral.
Consortium Vocale Oslo, Alexander M. Schweitzer. eos-audio. ISBN 978-3-8306-7542-6. EOS CD 7542 © EOS-Verlag 2013. www.eos-verlag.de. 1 CD: 66:05.


Die vorliegende insgesamt vierte CD-Einspielung des Consortium Vocale Oslo ist ein weiterer Teil der Begleitpublikation der Gesänge des 2011 erschienenen Graduale Novum auf CDs im EOS-Verlag. Das Consortium Vocale folgt also sowohl der zuerst in den BzG ab 1996 mit wissenschaftlichem kritischen Apparat vorgelegten Restitution als auch den adiastematischen Neumen als Grundlage rhythmisch-agogischer Gestaltung auf der Basis der Semiologie - wie auch schon in seinen früheren CDs. Da das Graduale Novum mit den St. Galler Neumen und denen der Handschrift Laon 239 zwei adiastematische Notationen enthält, deren Aussagen sich meist, aber nicht immer, decken, kann der Dirigent mal die eine, mal die andere vorziehen, wie es seiner Auffassung jeweils entspricht. Vor allem die melismatischen solistischen Teile sind von Sebastian Schober übernommen, der durch zahlreiche Aufnahmen der Schola Gregoriana Monacensis unter Johannes Berchmans Göschl vielen bekannt sein dürfte. Die Psalmverse zu Introitus und Communio werden von einer kleinen Solistengruppe gesungen.

Die CD, die vom 18. bis 21. Oktober 2011 in der Kirche St. Stephan bei Denklingen, Oberbayern, aufgenommen wurde, enthält unter dem Titel Resurrexi, dem Anfangswort des Introitus vom (Ersten) Ostersonntag, Gesänge der Osternacht, die Propriumsgesänge des (Ersten) Ostersonntags, des Ostermontags und die meisten Propriumsgesänge des Zweiten und des Dritten Ostersonntags; von diesen ist wegen der Aufnahmekapazität der CD jeweils der zweite Alleluiavers entfallen.

Das Ensemble trägt die Gesänge mit sicherer Vertrautheit und schönem Klang vor. Die Sänger singen insgesamt sehr homogen, die Interpretation der einzelnen Gesänge ist überzeugend und so für den Gottesdienst, für den sie gedacht sind, vorbildlich. Einzelne Stellen werden im folgenden besonders gewürdigt.

Der erste Teil (Tr. 1 bis 6) besteht aus Gesängen der Osternacht. Am Anfang steht (Tr. 1) die von Sebastian Schober in guter Textgliederung gesungene (dritte) Lesung aus dem Buch Exodus, die den Auszug der Israeliten aus Ägypten und den Durchzug durch das Schilfmeer in Erinnerung ruft. Mit diesem Beginn wird die besondere Wortprägung dieses Gottesdienstteils verdeutlicht, für den allein aus dem Alten Testament sieben Lesungen vorgesehen sind. Die Lesung, an die später im Zusammenhang mit dem Introitus vom Ostermontag (Tr. 13) erinnert wird, stellt eine Verbindung zum jüdischen Pes(s)achfest her, an dem der Befreiung aus Ägypten u.a. mit einem Mahl gedacht wurde, bei dem ein Lamm verzehrt wurde. Die Erinnerung daran wird durch das griechische Wort Pascha für Pes(s)ach auch in zwei Gesängen des Propriums vom Ostersonntag (Alleluiavers / Tr. 9 und Communio / Tr. 12) deutlich, die mit diesem Wort beginnen. An die Exodus-Lesung schließt sich sofort das Canticum Cantemus Domino an, dessen Text auch im Buch Exodus an den vorgetragenen Text der Lesung anschließt und dessen Melodie im VIII. Modus typisch ist für die Cantica (Tractus) der Osternacht. Nach dem feierlichen, der Osternacht vorbehaltenen, Alleluia, das vom Kantor und anschließend von der Schola (leider nur je einmal) gesungen wird, folgt der zugehörige Vers Confitemini (Tr. 3). Statt dessen Schlußformel beginnt der Solist, den Angaben der adiastematischen Handschriften folgend, sofort das Canticum Laudate, dessen Vers dann die Schola übernimmt.

Statt der Communio Pascha nostrum, die nach der Liturgiereform auch in der Osternacht gesungen werden kann, auf der CD aber dem Ostersonntag vorbehalten bleibt, läßt die CD den an ihrer Stelle vorgesehenen Psalm 33 mit dem Alleluia im VI. Modus folgen, das in der vorkonziliaren Liturgie mit dem langen Psalm 117 den Kommuniongang begleitete und in den anschließenden Osterlaudes gesungen wurde. Aus dem langen Psalm 33 (Tr. 6) sind die ersten sieben Verse für diese Aufnahme ausgewählt und in überzeugender Textgliederung gestaltet.

Im Gegensatz zu vielen mehrstimmigen Kompositionen des Credos, in denen das Et resurrexit mit großem Jubel in Chor und Orchester gestaltet ist, beginnt der Introitus des Ostersonntags zwar mit derselben Aussage, jetzt in der ersten Person - auferstanden bin ich, ist aber ganz zurückhaltend gestaltet - in Komposition und musikalischer Ausführung: Vorgetragen wird, was der auferstandene Christus zu seinem Vater spricht, und das wird als ein Geheimnis gestaltet, das der Mensch ehrfürchtig zur Kenntnis nimmt. (Zu dem, was Göschl im Booklet als innertrinitarischen Dialog zwischen Vater und Sohn charakterisiert, kann man übrigens Erläuterndes und sehr Erhellendes lesen bei Walter Kardinal Kasper, Barmherzigkeit, Herder 2012, S. 96 ff.: Barmherzigkeit als Spiegel der Trinität.)

Die Zurückhaltung des Introitus wird erst im Graduale (Tr. 8) und Alleluia mit seinem Vers (Tr. 9) verlassen, in denen der Jubel mit großer Bewegtheit und besonderem Tonumfang Ausdruck erhält. Das Graduale ist für diesen Gesang am Anfang auch noch relativ zurückhaltend, setzt aber bald mit einer Steigerung fort und läßt zum Ende des ersten Teils, des Responsums, in dem et laetemur in ea - und freuen wir uns an ihm (an diesem Tag) dem Jubel freien Lauf, den das Consortium überzeugend gestaltet. Der Solist nimmt den Jubel auf im Vers, in dem der Grund dafür genannt wird, den Herrn zu preisen: Denn er ist gut, schon dieses Denn - im Lateinischen das dreisilbige quoniam - weil, - also der Grund für den Jubel, wird durch den höchsten Ton des ganzen Gesangs im Wortsinn "heraus"gehoben, und dann folgt die Aussage des Grundes: er ist gut: bonus; hier allerdings hätte ich mir die Trivirga mit größerer Intensität zum dritten Ton hin gesteigert gewünscht. Aber trotzdem wird hier wirklich Osterfreude ins Herz, ins Gefühl, gesungen.

Dem Graduale folgt auf der CD (wie in der Liturgie) der musikalische Höhepunkt der Propriumsgesänge, das Alleluia mit seinem Vers; agogische Gestaltung und Tonumfang (eine Undecime) stellen an den Solisten hohe Anforderungen - und der Hörer wird nicht enttäuscht und kann sich an dem Jubel freuen. Die folgende Sequenz (Tr. 10) ist aufgeteilt zwischen Kleingruppe und Gesamtschola, die beide, wie es bei allen syllabischen, also in besonderer Weise wortbestimmten, Gesängen erfreulicherweise zu hören ist, das Relief des Textes deutlich zur Geltung bringen.

Das Offertorium Terra tremuit (Tr. 11) verbindet mit seinem wörtlich übernommenen psalmogenen Text das Geschehen der Auferstehung mit der Vorstellung eines Erdbebens, lenkt aber das Gedenken an die Auferstehung hin auf das Aufstehen Christi zum Gericht (in iudicio) , d.h. am Ende der Zeiten. Dies ist ein Gedanke, den der textgestaltende Komponist des Introitus vom Fest Christi Himmelfahrt (GrN I 209) erst durch die Umstellung von Worten des Quellentextes erreichte, indem er nämlich das ita veniet ans Ende stellt und mit dem folgenden Alleluja agogisch eng verbindet. Hier beim Offertorium wird der Text musikalisch meditativer, einschließlich des langen Alleluias, gestaltet.

Eine Textparallele zeigen von den Gesängen des Ostersonntags der bereits genannte Alleluiavers (Tr. 9) und der erste Teil der Communio: Pascha nostrum immolatus est Christus - unser Osterlamm ist geopfert, Christus (Tr. 12). Beide Gesänge entsprechen mit ihrem unterschiedlichen Kompositionsstil ihrer jeweils anderen liturgischen Funktion. Der längere Text der Communio, die den Kommuniongang der Gläubigen begleitet, läßt der Aussage des Alleluiaverses noch einen Teil aus dem folgenden Text des 1. Korintherbriefes folgen: "Darum laßt uns Festmal halten mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit." Er verbindet so den liturgischen Ort des Gesangs mit dem Bild des ungesäuerten Brotes für die Heiligkeit der erlösten Menschen.

Die dem Ostersonntag folgende Woche setzt die österlichen Feiern fort, was u.a. durch die Besonderheit deutlich wird, daß im Wortgottesdienst bis zum Freitag statt des ersten Alleluiaverses vom Graduale des Ostersonntags das Responsum gesungen wird, das die Aussage über diesen Tag (Haec dies) so prägnant herausstellt. Dem Responsum folgt dann aber jeweils ein eigener Vers. Als Beispiel dafür ist vom Ostermontag das Graduale (Tr. 14) vollständig zu hören.

Der Introitus vom Ostermontag (Tr. 13) nimmt wie viele Gesänge nach dem Ostersonntag die in der Osternacht Neugetauften in den Blick: Introduxit vos Dominus in terram fluentem lac et mel - Hineingeführt hat euch der Herr in das Land, das fließt von Milch und Honig. Wie die Lesung am Anfang dieser CD ist der Text dem Buch Exodus entnommen, aber in der Zusammensetzung von zwei Versen aus dem vorausgehenden Kapitel. Zusätzlich verändert der Komponist die Formulierung, mit der dort das Gelobte Land versprochen wird (Ex. 13,5) in die Tatsache Introduxit vos, womit ausgesagt wird, daß das "Gelobte Land" erreicht ist; gemeint ist das Reich Gottes, das Christus den Getauften durch seine Auferstehung bereitet hat.

Eine interessante Textparallele haben am Ostermontag Alleluiavers (Tr. 15) und Offertorium (Tr. 16); beide beginnen mit Worten des Matthäusevangeliums: Angelus Domini descendit de caelo - Ein Engel des Herrn stieg herab vom Himmel. Diese Worte werden - auch mit Worten aus diesem Evangelium - unterschiedlich fortgesetzt, wodurch ein jeweils anderer Aspekt verdeutlicht wird: Das descendit de caelo wird musikalisch jeweils unterschiedlich gestaltet: Im Alleluiavers steigt die Melodie bei descendit de caelo insgesamt eine Oktav ab und erhebt sich im folgenden nicht mehr zu der dabei gezeigten Höhe. Im Offertorium steigt bei descendit die Melodie im ersten Teil des Melismas auch eine Oktav ab, erhebt sich aber im zweiten Teil wieder zu dem Spitzenton des ersten Teils und überbietet diesen noch um eine Terz im folgenden de caelo und bei (et dixit) mulieribus, also den Adressaten seiner Mitteilung.
Der solistische Vers wirkt seinem liturgischen Ort entsprechend meditativer, er läßt dem Betrachter Raum, sich das Geschehen vorzustellen: Der Engel kam herab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Das Offertorium wird dagegen aktiver: Der Engel kam herab vom Himmel und "trat in Aktion", d.h. er teilte den Frauen die Auferstehung mit und die damit gegebene Erfüllung der Voraussage Christi. Der Gesang läßt in seiner Gestaltung dieses Geschehen nachempfinden, mit der im Schlußalleluia ausgedrückten Freude darüber.

Gegenüber den Frauen im Offertorium, die durch ein auffallendes Melisma deutlich herausgehoben werden, kommt der Apostel Petrus in der Communio (Tr. 17) sehr kurz weg: einen nichtkurrenten Kadenztorculus erhält er am Ende der kurzen, dem Lukasevangelium entnommenen Mitteilung auf seinem Wortakzent: Surrexit Dominus et apparuit Petro - Auferstanden ist der Herr und erschienen dem Petrus. Das sich anschließende lang auskomponierte Alleluia unterstreicht noch einmal die Freude über die Auferstehung des Herrn. Auf Surrexit führt die Melodie vom Einzelton re aus mit zwei unterschiedlich prägnant nach oben führenden Neumen zu dem Wort Dominus, das durch eine fünftönige Neume mit zweimaligem Spitzenton do hervorgehoben ist, der in der Communio sonst nicht erreicht wird, und damit als zentrale Aussage komponiert ist. So ist das Weglassen des vere - wirklich, das bei Lukas (24,34) für die gerade aus Emmaus zurückgekehrten beiden Jünger das Surrexit bestätigt, in dieser Komposition verständlich. Demgegenüber erscheint auch die Mitteilung an Petrus sekundär. Die Gestaltung durch die Schola bringt diese Inhalte angemessen zur Geltung.

Von den Gesängen des Zweiten Ostersonntags nimmt der Introitus (Quasi modo geniti infantes - Wie neugeborene Kinder / Tr. 18) noch einmal die (in der Osternacht) Neugetauften in den Blick, die hier als Kinder bezeichnet werden, die noch ohne Falsch sind und so bleiben sollen. Die übrigen Propriumsgesänge haben wieder die Auferstehung zum Thema und damit zusammenhängende Ereignisse, wie die Mitteilung der Engel am Grab, daß der Herr den Jüngern nach Galiläa vorausgehen wird (Alleluiavers / Tr. 19) und die Aufforderung Jesu an den ungläubigen Thomas, seine Hand an die Stelle der Nägel zu legen (Communio / Tr. 20).

Am Dritten Ostersonntag sind die Texte von Introitus (Tr. 21) und Offertorium (Tr. 23) allgemeine Aufforderungen zum Lob Gottes, in der Komposition als österlich charakterisiert durch die das Loben ausführenden und für die Osterzeit typischen Alleluia-Zufügungen, beim Introitus allein sind es fünf.

Der Alleluiavers Cognoverunt discipuli - Die Jünger erkannten den Herrn Jesus am Brechen des Brotes (Tr. 22) erinnert an die Jünger, die in Emmaus den Herrn eben daran erkannt und es den anderen nach ihrer Rückkehr in Jerusalem berichtet hatten. Ungewohnt ist die Komposition mit ihrem chromatischen Ton am Anfang, der nach dem Alleluia und dem Vers mit dem Schlußton mi bei der Wiederholung des Alleluias einen Ganztonaufstieg fordert. Das gelingt der Schola ohne Schwierigkeit; aber der Solist war vermutlich von den weiteren Änderungen des ersten Wortes Cognoverunt mit dem si naturale des III. Modus so beeinflußt, daß er auf dessen Endsilbe beim Abstieg vom re auf das si hinabstieg statt zum do.
Von den drei Communioantiphonen des Sonntags je nach Lesejahr ist die für das Lesejahr C ausgewählt worden, die in der vorkonziliaren Liturgie am 28. Juni, in der Vigil des Festes Peter und Paul, gesungen wurde und von der entscheidenden Frage Jesu am See von Tiberias (Io 21, 15.17) berichtet: Simon Joannis, diligis me plus his - Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? (Tr. 24). Die erste der dreimaligen Frage Jesu an Petrus und seine Antwort auf die zum dritten Mal gestellte Frage sind zum Text der Communio zusammengefaßt. Diese dritte Antwort ist gegenüber den beiden im Evangeliumstext vorhergehenden erweitert durch tu omnia nosti - du weißt alles. In dem folgenden tu scis, Domine, quia amo te - du weißt, Herr, daß ich dich liebe geschieht melodisch folgendes: In der Vertonung der Konjunktion quia erscheint auf dem Wortakzent der chromatische Ton mib, wie die Restitution der Stelle ergeben hat. Nach dem quia folgt auf dem Wortakzent von amo die Auflösung dieses Tons zu mi (naturale). Dadurch erhält amo ein besonderes Relief, das besondere innere Anteilnahme empfinden läßt. Außerdem hat der Komponist / Textkompilator nach dem genannten tu scis ein Domine eingefügt, das in einer tieferen Lage und dem geringen Ambitus einer Quart vertont ist. In der Gesangsausführung auf der CD ist diese Anrede in der Lautstärke merklich zurückgenommen, gleichsam die persönliche Enttäuschung von Petrus ausdrückend, und erst nach dem mi naturale steigert das Consortium Vocale wieder die Intensität, womit der Komposition dieser Stelle genau entsprochen wird.

Das Booklet enthält neben einigen Abbildungen des Introitus Resurrexi aus späteren Handschriften, die zu einem interessanten Vergleich mit der restitutierten Melodie einladen, die lateinischen Texte aller Gesänge mit deutscher und englischer Übersetzung; zur deutschen Fassung sei nur angemerkt, daß eine Beibehaltung der Wortstellung an manchen Stellen eine bessere Hilfe zum Verständnis des lateinischen Textes gewesen wäre. Wer den gedruckten lateinischen Text beim Anhören der CD mitliest, stellt beim Psalm 33 (Tr. 6) an einigen Stellen eine Diskrepanz zwischen gesungenem und gedrucktem Text fest; zwei Beispiele: gesungen wird in Vers 5 terroribus und in Vers 6 Respicite, während im Booklet zu lesen ist tribulationibus und Accedite. Die Erklärung ist, daß die gedruckte Fassung im Booklet der Vulgatafassung der Ausgabe der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart (1983) folgt, während das Graduale Novum, dessen Text gesungen wird, den der Nova Vulgata der Libreria Editrice Vaticana (1986) enthält. Auch beim Text der Lesung (Tr. 1) haben sich einige Fehler eingeschlichen.

Ausführlich und informativ sind die einführenden Erläuterungen von Johannes Berchmans Göschl (S. 2 bis 16 / deutsch und englisch) in liturgischer und theologischer Sicht; sie fördern ein tieferes Verständnis der Gesänge. Dabei sind auch die Hinweise auf die Änderungen in der liturgischen Zuordnung einzelner Gesänge durch das II. Vatikanum wichtig; denn die Zählung der früheren Reihenfolge (sechs Sonntage nach Ostern) und der neuen (insgesamt sieben Ostersonntage) kann zu Verwirrung führen. So gehört z.B. der Introitus Iubilate (Tr. 21) jetzt zum Dritten Ostersonntag (Dominica tertia Paschae). In der vorkonziliaren Liturgie war der jetzt Dritte Ostersonntag der zweite Sonntag nach Ostern mit dem Introitus Misericordia, und dieser hat jetzt am vierten Ostersonntag seinen Ort.

Die CD ist eine erfreuliche Weiterführung der Dokumentation der Gesänge des Graduale Novum in einer hörenswerten und eindrucksvollen Interpretation, die die in den ältesten adiastem. Hss dokumentierte Überlieferung der rhythmischen Agogik zugrunde legt und so die am frühesten dokumentierte Fassung lebendig erhält. Dabei zeigt die Gestaltung außerdem eine angemessene subjektive Musikalität, die auch im Gregorianischen Choral für eine lebendige und überzeugende Gestaltung notwendig ist.

Heinrich Rumphorst